Richrath: Mangel an Liebe und Zeit
02.04.2008
Richrath: Mangel an Liebe und Zeit. Friedel Adams hat Recht, wenn er den Finger in eine offene Wunde legt und dabei gleich mehrere Denkverbote der neuen politischen Korrektheit bricht: Die Kinder, die seinem Förderverein Haus der offenen Tür derzeit die größten Kopfschmerzen bereiten, sind eben nicht missratene Kids aus vermeintlich entwurzelten Migrantenfamilien, gehören auch nicht zur Sub-Kultur kettenrauchender Mütter, die sich tagtäglich mit prügelnden (Ex-)Partnern und chronischem Geldmangel herumplagen müssen. Sie stammen aus netten Häuschen in netten Sträßchen. Ihr großes Manko besteht vor allem in mangelnder Zuwendung. Ein 100-Euro-Schein pro Woche kann nunmal ebenso wenig elterliche und familiäre Zuwendung ersetzen wie der PC oder die Glotze. Die so genannten post-modernen westlichen Gesellschaften mit ihren materiellen (ohne zwei Gehälter kein ausreichendes Familieneinkommen) und ideologischen (Selbstverwirklichung) Zwängen fordern einen hohen Preis. Kinder, für die nicht genug Liebe und (!) Zeit da war, für die man im Zweifel einfach nicht den Kopf frei hatte, suchen Selbstbestätigung in Tabu-Verletzungen und Zerstörungsattacken. Dabei überschreiten sie immer häufiger das zu allen Zeiten vorhandene pubertäre Normal-Maß. Darüber lohnt es sich nachzudenken nicht nur rund um den Kirchturm von St. Martin. JÖRG JANSSEN
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